Faszien – ein unterschätztes Organ (Teil 1)

„Die Seele des Menschen mit all ihren Strömen puren Lebenssaftes scheint in den Faszien des Körpers zu fließen. (...) Ich kenne keinen Teil des Körpers, der es den Faszien als Forschungsfeld gleich tun kann. Ich glaube, dass sich beim Studium der Faszien mehr reichhaltige und goldene Einsichten auftun werden als bei irgendeinem anderen Aspekt des Körpers.“ (Andrew Taylor Still, Chirurg und Begründer der Osteopathie, 1899).

Immer häufiger wird der Begriff Faszien mit Schmerzen und Problematiken des Bewegungsapparates in Zusammenhang gebracht. Und das zu Recht – nicht selten liegen die Ursachen dafür in verklebten oder verhärteten Faszien und diese werden in ihren Auswirkungen auf den menschlichen Körper sehr häufig unterschätzt.

Das Fasziengewebe besteht aus feinen Bindegewebsfasern und liegt als schützende und stützende Haut über allen Muskeln, Organen, Gefäßen und Nervenbahnen im Körper. Quasi der gesamte Organismus wird über das Fasziengewebe zusammengehalten.

Wann können die Faszien Probleme bereiten?

Gerade Menschen, die die meiste Zeit ihres Berufsalltags sitzend verbringen oder Tätigkeiten nachgehen, die in ungünstigen Körperstellungen oder Zwangshaltungen ausgeübt werden müssen, verspüren oft die schmerzhaften Auswirkungen des sich dadurch verändernden Fasziengewebes. Ebenso können sich beispielsweise durch psychischen Stress, Operationen, Stoffwechselerkrankungen, Schonhaltungen, Verschlackungen sowie grundsätzlichen Bewegungsmangel die Faszien verkürzen und verhärten.

Auch die Lymphflüssigkeit wird durch die Faszien geleitet. Diese Flüssigkeit transportiert sowohl Nährstoffe in unsere Zellen als auch Abfallstoffe aus den Zellen heraus. Jede Muskelbewegung unterstützt dabei dieses wichtige Transportsystem. Wenn es aufgrund von Verspannungen oder Bewegungsmangel zu einem Stau der Lymphflüssigkeit kommt, können Faszien verkleben.

Sind die Faszien verkürzt, verklebt oder verhärtet, kann dies zu den unterschiedlichsten Beschwerden führen. Von Rückenschmerzen über Nacken-, Schulter-, Gelenk- oder Bauchschmerzen bis hin zu undefinierbaren Schmerzen.

Alle Faszien stehen miteinander in Verbindung und somit werden Spannungen und Unbeweglichkeiten in andere Körperteile übertragen. Eine verkürzte, verklebte oder verhärtete Wadenfaszie kann beispielsweise über die Beine einen Zug auf unseren unteren Rücken oder sogar die Schulter ausüben und dort zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen. Die Ursache eines Symptoms kann daher auch in einem Körperbereich liegen, den der Patient mit seinen Beschwerden gar nicht in Verbindung bringt.

Wie Sie gegen verkürzte, verklebte und verhärtete Faszien vorgehen können – insbesondere auch präventiv – verraten wir Ihnen in unserem nächsten Blog-Beitrag.